2 Millionen .ch-Domainnamen – und keinen interessiert’s

Irgendwann im Mai 2016 wurde der zweimillionste .ch-Domainname registriert. Das entnehme ich zumindest den neusten Zahlen, die von SWITCH heute publiziert wurden. Nach diesen ist der Schweizer Domainnamenbestand im zweiten Quartal 2016 von 1’994’324 Ende MĂ€rz auf 2’005’411 Ende Juni angestiegen. Somit wurde Domainname Nr. 2’000’000 kurz vor Mitte Mai registriert.

WĂ€hrend die Registrierung des millionsten .ch-Domainnamens im Jahr 2007 noch gross gefeiert wurde – es gab sogar ein von SWITCH veranstaltetes Gewinnspiel – und im ganzen Land Zeitungsberichte dazu erschienen, war der zweimillionste Name SWITCH nicht mal eine Newsmeldung wert. Wieso?

GötterdÀmmerung

Nun, die Zeiten haben sich geĂ€ndert. Damals boomten .ch-Domainnamen. Ihre Zahl nahm um rund 40’000 pro Quartal zu, seit ein gutes Jahr davor die einmalige EintragungsgebĂŒhr abgeschafft wurde. Heute betrĂ€gt der Zuwachs nicht mal mehr ein Drittel davon. Damals war SWITCH noch die unangefochtene Kompetenzstelle fĂŒr Domainnamen. Die Stiftung, ein Zusammenschluss der Schweizer UniversitĂ€ten und Hochschulen, hatte das Internet in die Schweiz geholt, war Registry und (wenn ich mich richtig erinnere: einziger) Registrar in einer Person. SWITCH unterstand zwar auch damals schon dem Bundesamt fĂŒr Kommunikation, traf aber viele Entscheidungen selbst – was nicht selten zu Kritik seitens des BAKOM fĂŒhrte. Heute darf SWITCH nicht mal mehr selbst Domainnamen an Endkunden verkaufen, und auch ihre Rolle als Registerbetreiberin (Registry) ist infrage gestellt bzw. wurde per Sommer 2017 erstmals öffentlich ausgeschrieben. Es ist verstĂ€ndlich, dass sich angesichts dieser Beraubung ihrer Aufgaben bei SWITCH ErnĂŒchterung breitgemacht hat und die Motivation, Domainnamen zu feiern, auf Null gesunken sein muss.

Auch seitens des BAKOM kann die Top-Level-Domain .ch nicht mehr auf UnterstĂŒtzung hoffen. Dort haben alle nur noch Augen fĂŒr die neue .swiss-Domain-Endung.

Daneben ist auch das Interesse seitens der Bevölkerung auf einen neuen Tiefstand gesunken. Webseiten sind heute etwas AlltĂ€gliches geworden und haben MĂŒhe, sich gegen die stĂ€ndig wachsende Zahl von Social Media-Plattformen zu behaupten.

«Einsatzzug 14»

Und was ist aus dem millionsten .ch-Domainnamen geworden? – Es gibt ihn nicht mehr.

Aber immerhin einen «Nachfolger». Der millionste Domainname ez14.ch wurde damals von einem Wirtschaftsinformatik-Studenten fĂŒr «seinen» Einsatzzug 14 der Feuerwehr Luzern registriert. Hier schaltete er Fotos von privaten AnlĂ€ssen der FeuerwehrmĂ€nner auf. Durch die Neugliederung der EinsatzzĂŒge wurden die ZĂŒge EZ12 und EZ14 zum neuen EZ2 zusammengefĂŒhrt. Deshalb wurde der Domainname nicht mehr verlĂ€ngert. Die neue Webseite www.ez2.ch befindet sich noch im Aufbau. Immerhin erinnert die Webseite des Einsatzzugs 24 noch an den damaligen Ruhm. Und ja: In Luzern hat jeder Feuerwehr-Einsatzzug seine eigene Webseite.

ez24.ch

Brexit consequences for domain names

(Deutsche Version: Folgen des „Brexit“ fĂŒr Domainnamen)

On 23 June 2016, the majority of the British population voted to leave the European Union (EU) against all reason – the so-called Brexit. Very few Brexit supporters know the exact consequences leaving the EU will have for the United Kingdom, the EU and the whole world. The Brexit also affects domain names.

Revocation of EU Top Level Domain Names (.eu) registered by Britons

According to section 12 of the Registration Policy for .eu domain names, the Registry may revoke a domain name at its own discretion in case the registrant does not or no longer fulfill the general eligibility criteria provided under the .eu Regulation. The registration of .eu domain names is reserved for companies, organisations and natural persons residing within the community. After leaving the EU, legal and natural persons in the United Kingdom no longer fulfill this requirement. Their .eu domain names will be revoked.

At least 14 days before revoking the domain names, the Registry will notify by e-mail the registrant and/or the Registrar through whom the domain name has been registered, affording them the opportunity to remedy, where possible, the grounds for revocation. This does not seem plausible in a lot of cases as the only solution would be to move the registered office, central administration or principal place of business respectively to relocate to another country that’s still a member state of the European Union.

Retiring the United Kingdom’s Top Level Domain (.uk) after the union falls apart

While England (except London) and Wales have strongly voted to leave, Scotland and Northern Ireland as well as the British Overseas Territories voted to remain in the EU. The United Kingdom is on the verge of falling apart. This would affect the UK’s Top Level Domain .uk’s future.

If the United Kingdom breaks apart, operation of the Top Level Domain .uk will be discontinued after a certain transition period. There would be an alternative at the ready: .gb (‚Great Britain‘). According to the ISO code relevant for the creation of Country Code Top Level Domains (the so-called ccTLDs), the United Kingdom’s Top Level Domain should be .gb. As .uk predates the ISO list of ccTLDs, it stayed in use. However, .gb is still reserved but remains unused. It is unsure whether .gb would be available or rather retired as well. This will strongly depend on whether and under which name the former UK countries will unite or exist on their own.

The British Overseas Territories would not be affected by the UK falling apart as they already possess their own Top Level Domains: Anguilla .ai, Bermuda .bm, British Antarctic Territory .aq (for the whole Antarctic area), British Indian Ocean Territory .io, British Virgin Islands .vg, Cayman Islands .ky, Gibraltar .gi, Falkland Islands .fk, Guernsey .gg, Isle of Man .im, Jersey, Montserrat .ms, Pitcairn .pn, St. Helena Ascension and Tristan de Cunha .sh, South Georgia and the South Sandwich Islands .gs, Turks and Caicos Islands .tc.

A new Top Level Domain for an independant Scotland?

There have been plans to separate Scotland from the United Kingdom for a long time. While a majority of the Scottish population had voted to remain a part of the United Kingdom in September 2014, they have made very clear that they want to remain a member of the European Union. A new independence referendum is very likely to take place in the near future, with Scotland becoming an independent country that intends to become a member of the EU (again).

As an independent country, Scotland will be entitled to its own Country Code Top Level Domain. However, all matching two-letter Top Level Domains starting with an ‚S‘ combined with any remaining letters of ‚Scotland‘ are already taken: .sc (Seychelles), .so (Somalia), .st (SĂŁo TomĂ© and PrĂ­ncipe), .sl (Sierra Leone), .sa (Saudi Arabia), .sn (Senegal) and .sd (Sudan). A possible .ec for Ecosse (Latin for Scotia) is taken as well (Ecuador). The Gaelic ‚Alba‘ for Scotland may provide a solution. Although .al (Albania) is not available, the Internet Assigned Numbers Authority (IANA) could create a new ccTLD .ab or even .aa.

Luckily, the Scots hold their own new generic Top Level Domain since 2014. Scots all over the world as well as non-Scots residing in Scotland may register a .scot domain name. The .scot domain name helps to emphasise Scottish values and quality, similar to what the Swiss government intends to achieve with its .swiss Top Level Domain. More than 10,000 .scot domain names are registered already.

Folgen des „Brexit“ fĂŒr Domainnamen

(English version: Brexit consequences for domain names)

Am 23. Juni 2016 hat die Mehrheit der britischen Bevölkerung wider jede Vernunft beschlossen, aus der EuropĂ€ischen Union (EU) auszutreten – der sogenannte Brexit. Doch kaum jemand der Brexit-BefĂŒrworter ist sich der Folgen bewusst, die der Austritt fĂŒr das Vereinigte Königreich, die EU und die ganze Welt hat. Diese betreffen auch Domainnamen.

Top-Level-Domain der EU (.eu): Widerruf fĂŒr die Briten

Nach Absatz 12 der Registrierungsbedingungen fĂŒr .eu-Domainnamen kann das Register einen .eu-Domainnamen nach eigenem Ermessen widerrufen, wenn der Registrant die Allgemeinen Registrierungsvoraussetzungen der .eu-Verordnung nicht oder nicht mehr erfĂŒllt. Zur Registrierung sind nur Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen mit Hauptsitz bzw. Wohnsitz in einem Mitgliedstaat der EU zugelassen. Nach dem Austritt erfĂŒllen lediglich im Vereinigten Königreich angesiedelte juristische und natĂŒrliche Personen diese Voraussetzung nicht mehr. Ihre .eu-Domainnamen werden damit widerrufen.

Mindestens 14 Tage vor dem Widerruf der Domainnamen benachrichtigt die Registerbetreiberin die Domainnamen-Inhaber und/oder die Registrierungsstellen, durch die die Domainnamen registriert sind, per E-Mail. Sie erhalten damit die Gelegenheit, den Grund fĂŒr den Widerruf wo möglich zu beheben. Dies wird hier in den wenigsten FĂ€llen möglich sein. Denkbar ist lediglich der Umzug des Firmenhauptsitzes bzw. Wohnsitzes in ein Land, das weiterhin ein Mitglied der EuropĂ€ischen Union ist.

Top-Level-Domain des Vereinigten Königreichs (.uk): Einstellung nach dem Zerfall Grossbritanniens

WĂ€hrend sich England (ausgenommen London) und Wales deutlich fĂŒr den Austritt ausgesprochen haben, haben Schottland, Nordirland und auch die Überseegebiete des Vereinigten Königreichs genauso deutlich fĂŒr einen Verbleib in der EU gestimmt. Dem Vereinigten Königreich droht der Zerfall. Damit ist auch die Zukunft der Top-Level-Domain .uk („United Kingdom“) infrage gestellt.

Falls das Vereinigte Königreich auseinanderbricht, wird der Betrieb der Top-Level-Domain .uk nach einer gewissen Übergangszeit wohl eingestellt. Eigentlich steht dafĂŒr bereits eine Alternative zur VerfĂŒgung: .gb. Denn nach der ISO-Kodierung, die fĂŒr die Vergabe der lĂ€nderspezifischen Top-Level-Domains (die sogenannten ccTLD) massgebend ist, wĂŒrde die Domainnamen-Endung des Vereinigten Königreichs bzw. Grossbritanniens eigentlich so lauten. Die ccTLD .gb ist reserviert, wird bisher aber nicht benĂŒtzt. Ob .gb weiterhin zur VerfĂŒgung stehen wird oder ebenfalls eingestellt wird, ist unklar. Denn natĂŒrlich ist dies davon abhĂ€ngig, ob und unter welchen Namen sich die einzelnen Landesteile zusammenschliessen oder alleine bestehen.

Die Britischen Überseegebiete wĂ€ren von einem Auseinanderfallen des Empire nicht direkt betroffen. Sie verfĂŒgen nĂ€mlich bereits heute ĂŒber eigene Top-Level-Domains (Anguilla .ai, Bermudainseln .bm, Britisches Antarktis-Territorium .aq [fĂŒr komplettes Antarktis-Gebiet], Britisches Territorium im Indischen Ozean .io, Britische Jungferninseln .vg, Gibraltar .gi, Kaimaninseln .ky, Falklandinseln .fk, Guernsey .gg, Isle of Man .im, Jersey, Montserrat .ms, Pitcairn .pn, St. Helena Ascension und Tristan de Cunha .sh, SĂŒdgeorgien und SĂŒdliche Sandwichinseln .gs, Turks- und Cicosinseln .tc).

Neue Top-Level-Domain fĂŒr ein unabhĂ€ngiges Schottland?

Konrete PlĂ€ne fĂŒr eine Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreichs gibt es schon lange. Zwar haben im September 2014 eine Mehrheit der Schotten fĂŒr den Verbleib gestimmt. Doch sie haben immer klar gemacht, ein Mitglied der EU bleiben zu wollen. Jetzt soll eine neue Abstimmung vorgenommen werden, um Schottland zu einem eigenstĂ€ndigen Land zu machen, das möglichst rasch Mitglied der EU werden möchte.

Als selbstĂ€ndiges Land wĂ€re Schottland dann auch berechtigt, eine eigene lĂ€nderspezifische Domainnamen-Endung zu fĂŒhren. Doch alle der passenden zweistelligen Top-Level-Domains („S“ und ĂŒbrige Buchstaben von „Scotland“) sind bereits belegt: .sc (Seychellen), .so (Somalia), .st (SĂŁo TomĂ© und PrĂ­ncipe), .sl (Sierra Leone), .sa (Saudi-Arabien), .sn (Senegal) und .sd (Sudan). Auch .ec fĂŒr Ecosse (lateinisch fĂŒr Schottland) ist bereits vergeben (Ecuador). Einen Ausweg könnte hier die gĂ€lische Eigenbezeichnung von Schottland, Alba, bieten. Doch auch .al (Albanien) ist bereits weg. Hingegen könnte die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) eine neue Top Level Domain .ab oder gar .aa schaffen.

Gut, dass die Schotten seit dem Jahr 2014 ĂŒber eine eigene, generische Domainnamen-Endung verfĂŒgen. Ein .scot-Domainname kann von Schotten auf der ganzen Welt registriert werden sowie von allen Nicht-Schotten, die in Schottland wohnen. Er hilft, die schottischen Werte zu unterstreichen, genauso wie dies .swiss fĂŒr schweizerische Werte tun will. Gut 10’000 .scot-Domainnamen sind derzeit registriert – auch von Privatpersonen.

Vernehmlassung zur Domainnamen-Verordnung ist abgelaufen

WĂ€hrend drei Monaten hatten interessierte Personen die Möglichkeit, dem Bundesamt fĂŒr Kommunikation (BAKOM) eine Stellungnahme zum Entwurf der Verordnung ĂŒber die Internet-Domains (VID) und den beabsichtigten Änderungen weiterer Verordnungen zum Fernmeldegesetz einzureichen. Diese Vernehmlassung soll jeweils Aufschluss geben ĂŒber die sachliche Richtigkeit, die Vollzugstauglichkeit und die Akzeptanz eines Vorhabens. Die Vernehmlassungsfrist ist gestern abgelaufen.

Das BAKOM wird die eingereichten Stellungnahmen nun prĂŒfen, gewichten und auswerten und in einem Ergebnisbericht deren Inhalte zusammenfassen. Dieser Ergebnisbericht und die einzelnen Stellungnahmen werden im Internet öffentlich zugĂ€nglich gemacht.

Auch ich habe den VID-Entwurf geprĂŒft und meine Stellungnahme dazu eingereicht. GrundsĂ€tzlich befürworte ich die Schaffung einer Verordnung über Internet-Domains. Insbesondere die folgenden geplanten Regelungen bedürfen meines Erachtens einer Überarbeitung:

  • Die mehrfach erwĂ€hnte, aber schwer fassbare „Schweizer Community“ muss definiert und/oder nĂ€her umschrieben werden, insbesondere bezüglich der Verweise auf ihre Mitglieder und den Beirat.
  • Problematisch empfinde ich die vorgesehenen reservierten Bezeichnungen von BundesrĂ€ten und Behörden, da aufgrund noch nicht bekannter zukünftiger BundesrĂ€te und Namenswechsel von Behörden eine grosse Rechtsunsicherheit geschaffen wird und nicht klar ist, welche Schreibweisen und Namensteile genau geschützt sein sollen.
  • Domainnamen sollen beim Tod oder im Konkursfall des Inhabers nicht widerrufen werden, sondern an einen Rechtsnachfolger übergehen.
  • Ein hohes Konfliktpotenzial sehe ich bei der (freiwilligen) Zuteilungsprüfung und Verweigerungsmöglichkeit von .swiss-Domainnamen durch die Registerbetreiberin.
  • Im Rahmen der Sunrise-Periode zur Registrierung von .swiss-Domainnamen sollen Inhaber identischer .ch-Domainnamen nicht vergessen werden, sondern unbedingt auch die Gelegenheit zur privilegierten Registrierung erhalten.

Bei Interesse ist meine Stellungnahme im PDF-Format hier zu finden.

Nun bin ich auf den weiteren Verlauf und die definitive Fassung der Verordnung ĂŒber (die) Internet-Domains gespannt.

10 Jahre Umlaut-Domainnamen in der Schweiz – ein RĂŒckblick

Vor genau zehn Jahren, am 1. MÀrz 2004 um 12:00 Uhr, wurden .ch- und .li-Domainnamen mit Umlauten zur Registrierung freigegeben. Damit kamen zu den 37 registrierbaren Zeichen (a-z, 0-9, Bindestrich) weitere 32 Zeichen europÀischer Alphabete hinzu (vgl. nachfolgende Grafik). Gleichzeitig wurde die maximale LÀnge von Domainnamen von 24 auf 63 Zeichen erhöht.

IDN-Domains: zusÀtzliche Zeichen seit 1.3.2004

Technische Aspekte

WĂ€hrend die bisher erlaubten Zeichen der ASCII-Kodierung bzw. dem amerikanischen Sprachgebrauch entsprechen, liegen die neuen Zeichen ausserhalb dieser Zeichenkodierung. Sie können deshalb nur indirekt verwendet werden, indem die Internationalisierten Domainnamen oder IDN-Domainnamen in ein ASCII-kompatibles Format (kurz: ACE) umgewandelt werden. Dabei wird mittels Punycode das nichtkompatible Zeichen entfernt und am Ende des Domainnamens in Form eines ASCII-Strings wieder hinzugefĂŒgt, in dem Position und Art des Zeichens enthalten ist. Dem Domainnamen wird das ACE-PrĂ€fix „xn--“ vorangestellt, um ihn von klassischen ASCII-Domainnamen zu unterscheiden. Beispiel:

IDN-Domainname: Beispiel hÀkeln.ch

Die Zeichenfolge „xn--“ wurde gewĂ€hlt, da sie in Namen und Worten ansonsten nicht vorkommt. Aus dieser Zeit stammt ĂŒbrigens das noch heute gĂŒltige Verbot zweier Bindestriche an dritter und vierter Stelle. Um die IDN-Domainnamen richtig „ĂŒbersetzen“ zu können, war anfangs ein spezielles Browser-Plugin nötig.

Keine Sunrise-Periode

Leider erhielten weder Inhaber von Kennzeichenrechten noch Inhaber von Domainnamen mit ausgeschriebenen Umlauten (bspe. ue statt ĂŒ) die Gelegenheit, im Voraus die entsprechenden Domainnamen zu reservieren. Eine solche Sunrise-Periode hilft, die Nachteile des „first come first served“-Prinzips abzuschwĂ€chen, da gerade bei beliebten Domainnamen mit vielen Interessenten wie „mĂŒller.ch“ viele die Ersten sein möchten. Beispielsweise wurde beim Start der Europa-Top-Level-Domain „.eu“ eineinhalb Jahre spĂ€ter eine Sunrise-Periode durchgefĂŒhrt. Eine solche ist immerhin fĂŒr die EinfĂŒhrung der Top-Level-Domain .swiss geplant – aus Fehlern wird man klug.

Persönlicher RĂŒckblick auf den 1. MĂ€rz 2004: Totales Chaos

Ich sass am 1. MĂ€rz 2004 rechtzeitig vor dem Computer, um meine gewĂŒnschten Umlaut-Domainnamen zu registrieren. Meine Liste umfasste lediglich zwei EintrĂ€ge, von denen ich bereits die Domainnamen mit ausgeschriebenen Umlauten besass. Die Nachfrage war jedoch so gross, dass SWITCH sein Netzwerk dadurch vor der Überlastung schĂŒtzte, dass nur so viele Antragsteller zugelassen wurden, wie vom System verarbeitet werden konnten. Die Vollbelastung dauerte gemĂ€ss SWITCH bis um 18 Uhr und dann nochmals nach den Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „10 vor 10“ mit Berichten ĂŒber den IDN-Start. Als es mir endlich gelang, zur Registrierung zugelassen zu werden, war einer der beiden Domainnamen – der fĂŒr mich wichtigere – bereits weg und bleibt bis heute verloren. Dies Ă€rgert mich noch immer.

WIPO-Verfahren um IDN-Domainnamen

Die fehlende Sunrise-Periode und das ĂŒberlastete Netzwerk am Starttag hatte wie erwartet dazu gefĂŒhrt, dass viele Domainnamen von Nichtberechtigten registriert wurden. In der Folge wurden von Inhabern von Kennzeichenrechten noch im selben Jahr 14 WIPO-Verfahren angestrebt, um Domainnamen mit deutschen Umlauten zurĂŒck zu erhalten, darunter die ÖKK, WĂŒrth, Feldschlösschen, RhĂ€zĂŒnser oder die Bank Julius BĂ€r, und ein einziges im Jahr danach betreffend zwei Domainnamen mit französischen Akzenten. Seither hat es keine weiteren WIPO-Verfahren um IDN-Domainnamen mehr gegeben. Ob ein registrierter Domainname mit ausgeschriebenem Umlaut ohne weitere Kennzeichenrechte einen Anspruch auf den identischen Domainnamen mit Umlaut verschafft, ist umstritten.

Heute in der Schweiz unbedeutend

Innerhalb der ersten 24 Stunden wurden rund 14’500 Schweizer IDN-Domainnamen registriert. Bis Mitte April 2004 stieg diese Zahl auf rund 23’500 weiter an. Ihr Anteil am gesamten Domainnamen-Bestand betrug damit 4,1%. Seither stagniert ihre Zahl und liegt heute mit rund 24’000 fast gleich hoch wie damals, wĂ€hrend die Zahl der ĂŒbrigen Domainnamen um ĂŒber das Dreifache angestiegen ist. Der Anteil der IDN-Domainnamen ist damit auf 1,3% gefallen.

Auch in der Schweizer Öffentlichkeit nimmt man die Umlaut-Domainnamen kaum wahr, da sie meist auf das Pendant mit ausgeschriebenen Umlauten umgeleitet werden. Dies auch deshalb, weil es Probleme gibt, sie fĂŒr E-Mail-Adressen zu verwenden (es wird die ACE-Version mit xn-- angezeigt) oder beim Teilen ĂŒber Soziale Medien (auch hier wird die ACE-Version angezeigt). Im Ausland hingegen findet mit der EinfĂŒhrung der neuen Top-Level-Domains mit Zeichen ausserhalb des ASCII-Bereichs, z.B. im arabischen oder asiatischen Raum, ein grosses Revival statt.

Ich empfehle, fĂŒr Website-Projekte immer beide Versionen, d.h. mit Umlaut und mit ausgeschriebenem Umlaut, zu registrieren. Ich selbst habe zum jetzigen Zeitpunkt elf Umlaut-Domainnamen registriert.

Eigene Rechtsgrundlage fĂŒr Domainnamen und Trennung der Registry- und Registrar-Funktion: BAKOM eröffnet die Vernehmlassung

Zumindest hinter den Kulissen soll sich einiges Àndern. Das BAKOM möchte die Verwaltung der Top-Level-Domains .ch und .swiss in einer separaten Verordnung regeln und die Funktionen der Registerbetreiberin (Registry) und Registrierungsstellen (Registrar) trennen.

Die Vernehmlassung lÀuft ab sofort. Die Vernehmlassungsunterlagen sind hier zu finden:

Weitere Unterlagen des BAKOM zur Vernehmlassung:

Stellungnahmen können bis am 17. April 2014 eingereicht werden.

Revision der FMG-Verordnungen: Vernehmlassung ab Mitte Februar 2014

Zurzeit bereitet das Bundesamt fĂŒr Kommunikation BAKOM eine Revision der AusfĂŒhrungsverordnungen zum Fernmeldegesetz (FMG) vor. Die Marktentwicklung und der technische Fortschritt machen eine Anpassung nötig. Neben der Top-Level-Domain .ch muss auch die Verwaltung der neuen Top-Level-Domain .swiss (Start ab Herbst 2014) geregelt werden. Dies erfolgt entweder wie bisher im Rahmen der Verordnung ĂŒber die Adressierungselemente im Fernmeldebereich (AEFV) – Domainnamen sind rechtlich gesehen „Adressierungselemente“ – oder in einer separaten Verordnung. Möglicherweise trennt der Bund dabei die Funktionen der Registerbetreiberin und der Registrierstelle.

Die Revisionsvorlage war bereits im verwaltungsinternen Mitberichtsverfahren. Mitte Februar 2014 soll das öffentliche Anhörungsverfahren zur Vorlage zu starten. Betroffen sind neben der Verordnung ĂŒber die Adressierungselemente im Fernmeldebereich (AEFV) die Verordnung ĂŒber Fernmeldedienste (FDV) und die Preis­bekannt­gabe­verordnung (PBV). Die beabsichtigten VerordnungsĂ€nderungen werden samt erlĂ€uterndem Bericht auf der Webseite des BAKOM aufgeschaltet werden. Im Rahmen des Anhörungsverfahrens können alle Interessierten zur Vorlage Stellung nehmen. Die Vernehmlassung dauert voraussichtlich bis Mitte Mai 2014.

Allianz von Hosting-Anbietern will .ch-Registerbetreiberin werden – eine erste Analyse

Im Jahr 2007 hatte das Bundesamt fĂŒr Kommunikation BAKOM den Vertrag mit SWITCH ĂŒber die Verwaltung der .ch-Domainnamen (Registrierungsstelle und Registerbetreiberin) zuletzt um gut acht Jahre bis am 31. MĂ€rz 2015 verlĂ€ngert. Dieses Datum rĂŒckt immer nĂ€her. Diverse grosse Hosting-Anbieter haben sich zur Genossenschaft „Registrar Alliance“ zusammengeschlossen, um sich ebenfalls fĂŒr die Position der Registerbetreiberin zu bewerben.

Die Registrar Alliance sieht sich gemĂ€ss eigenen Angaben vor allem als „Interessenwahrer der Internet-Community in der Schweiz“. Unter der Leitung der ehemaligen Rechtsdienst-Leiterin von SWITCH, der AnwĂ€ltin Nicole Beranek Zanon, will sie sich fĂŒr eine breit abgestĂŒtzte Governance einsetzen und ihren Mitgliedern und den ĂŒbrigen Domainnamen-Registrierstellen gĂŒnstige, auf Kostendeckung basierende, zuverlĂ€ssige und nicht diskriminierende Register-Dienste anbieten. Die Registrar Alliance ist nicht gewinnorientiert und will allfĂ€llige ÜberschĂŒsse durch die Preise an alle Registrierstellen weitergeben. Sie sei „eine typische Selbsthilfeorganisation Ă  la Migros“. Die Mitgliedschaft stehe allen Schweizer Registrierstellen offen. Damit werde gewĂ€hrleistet, dass die Top Level Domain .ch nach Schweizer Werten gefĂŒhrt und verwaltet wird. Im Unterschied zu heute ist mit der Registry Alliance auch gewĂ€hrleistet, dass die Community, welche das Internet in der Schweiz betreibt, involviert und damit massgeblich an der Mitgestaltung von .ch beteiligt ist.

Ihr Vorhaben ist gleichzeitig Kritik an der jetzigen Registrierstelle und Registerbetreiberin. SWITCH geriet in die Kritik (der Registrar Alliance-GrĂŒnder), als sie eine gewinnorientierte Tochterfirma grĂŒndete, die Hosting- und Registrierdienste anbietet, und auf ihrer Webseite (der Stiftung SWITCH, nicht der Register-Webseite www.nic.ch) die Tochterfirma bewarb. Das angerufene Bundesgericht hatte in der Folge entschieden, dass diese vermeintliche Bevorzugung gegenĂŒber den SWITCH-Partnern zulĂ€ssig sei. Die GrĂŒndung erfolgte ebenfalls im Hinblick auf die voraussichtliche EntbĂŒndelung der beiden Dienste Registrierstelle und Registerbetreiberin bei der Erneuerung des Vertrags im 2015.

Was die Genossenschaft besser machen will als SWITCH, ist nicht ganz klar. Auch SWITCH senkte in der Vergangenheit wenn möglich die Preise und erhielt dafĂŒr in einem Fall sogar Schelte, weil das BAKOM die Preissenkung nicht vorher abgesegnet hatte. In vielen Punkten schrĂ€nken gesetzliche Regelungen den Spielraum von SWITCH ein. An diese Vorgaben mĂŒsste sich auch die Genossenschaft halten. Sie mag zwar nicht gewinnorientiert sein, will aber primĂ€r die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder fördern oder sichern. Ob dabei die Interessen der Internet-Community (von wem genau?) wirklich gewahrt werden und nicht eher in den Hintergrund rĂŒcken, wird sich allenfalls zeigen.

In einer Stellungnahme weist SWITCH auf ihre BemĂŒhungen fĂŒr ein sicheres Schweizer Internet hin sowie auf ihre UnabhĂ€ngigkeit als nicht gewinnorientierte Stiftung der Schweizer Hochschulen. Es ist davon auszugehen, dass SWITCH bereits ein Gesuch zur Erneuerung des Vertrags eingereicht hat. Die entsprechende Verordnung sieht vor, dass dies spĂ€testens 18 Monate vor Ablauf des Vertrags zu erfolgen hat.

Ich persönlich bin skeptisch, was das Vorhaben der Registrar Alliance angeht. Mir scheint eher, als seien die Genossenschafter mit den rechtlichen Vorgaben des BAKOM nicht zufrieden, nach denen sich SWITCH richtet, als mit SWITCH selbst. Als neue Registerbetreiberin hĂ€tte sie auf deren Änderung aber nur sehr beschrĂ€nkt Einfluss. Im Rahmen eines Vernehmlassungsverfahrens zur Überarbeitung der rechtlichen Normen könnten die Hosting-Anbieter auch so mitwirken. Ob die GrĂŒndung der Genossenschaft und ihr Vorhaben lediglich aus Trotz bzw. Unzufriedenheit mit dem Bundesgerichtsurteil und der damit entstandenen Spannungen erfolgt ist, und ob dies wirklich ein legitimer Grund ist, Registerbetreiberin werden zu wollen, ist fraglich. PrimĂ€r aufgrund ihrer UnabhĂ€ngigkeit gebe ich SWITCH den Vorzug.

brevo.ch: Heisser Kampf ums Feuerlöschen

Die Gesuchstellerin Sicli Materiel-Incendie SA in Plan-les-Ouates im Kanton Genf ist seit rund 90 Jahren im Brandschutzbereich tĂ€tig (die AbkĂŒrzung „Sicli“ steht fĂŒr Secours ImmĂ©diat Contre L’Incendie), unter anderem mit dem Vertrieb von Feuerlöschern. Im Jahr 2005 hatte die Gesuchstellerin die Brevo AG in Horgen ĂŒbernommen. Deren Wortmarke „Brevo“ fĂŒr Feuerlöschapparate und -anlagen aus dem Jahr 1983 wurde erst 2013 im Rahmen der Erneuerung um weitere zehn Jahre auf die Gesuchstellerin ĂŒbertragen. Im FrĂŒhjahr 2013 fĂŒhrte sie ein neues Feuerlöschsortiment unter der Marke Brevo ein.

Der Gesuchsgegner ABC Brandschutz ist das Einzelunternehmen von Ludwig Johann Camenzind in Schönengrund im Kanton St. Gallen. Er vertreibt FeuerlöschgerĂ€te und Zubehör und bietet Schulungen an. GemĂ€ss der Behauptung der Gesuchstellerin arbeitete Herr Camenzind vom 1. Januar 2008 bis am 28. August 2009 bei der Brevo AG. Er bestreitet dies und weist darauf hin, dass die Brevo GmbH nach seinem Wissen seit 2006 nicht mehr besteht (was auch auf der Brevo-Webseite so aufgefĂŒhrt war). Ein Blick in das Handelsregister zeigt, dass die Brevo AG (spĂ€ter: Brevo GmbH) nach der Fusion mit der Gesuchsgegnerin am 28. November 2005 aus dem Handelsregister gelöscht wurde, womit die Behauptung tatsĂ€chlich falsch sein muss.

Der Domainnamen brevo.ch wurde gemÀss den Angaben im WIPO-Entscheid am 3. Juni 2013 registriert. Unter dieser Adresse war seit dem Jahr 2001 und mindestens bis im Jahr 2010 die Webseite der Brevo AG zu erreichen. Danach wurde der Domainname scheinbar aufgegeben, bevor er vom Gesuchsgegner neu registriert wurde.

brevo.ch

Nach dem erfolglosen Schlichtungsversuch durch den Experten Daniel Kraus wurde das Verfahren unter der Leitung des Experten Tobias ZuberbĂŒhler fortgesetzt.

ErwÀgungen und Entscheid

Die Gesuchstellerin macht Markenrecht am Begriff Brevo geltend und behauptet, der Gesuchsgegner wolle aufgrund seiner frĂŒheren BeschĂ€ftigung fĂŒr die Brevo GmbH vorsĂ€tzlich eine Verwechslung zwischen den Produkten der Gesuchstellerin und seinen eigenen schaffen. Der Gesuchsgegner streitet die BeschĂ€ftigung ab und entgegnet, dass die Gesuchstellerin den Domainnamen wegen Nichtgebrauchs aufgegeben habe.

Der Experte zitiert die gĂ€ngigen Gesetzesbestimmungen und Bundesgerichtsentscheide, die Domainnamen eine Kennzeichenfunktion zugestehen und sie daher nicht identisch oder verwechselbar mit einer Ă€lteren Marke fĂŒr gleiche oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen sein dĂŒrfen.

Beide Parteien sind im Brandschutz- bzw. Feuerlöschmaterial-Bereich tĂ€tig. Sowohl die Waren- und Dienstleistungsgleichartigkeit als auch die Verwechslungsgefahr sind gegeben. Da der Gesuchsgegner keine rechtlich relevanten VerteidigungsgrĂŒnde vorbringt und auch kein eigenes legitimes Interesse dargelegt hat, entscheidet der Experte die Übertragung des Domainnamens an die Gesuchstellerin.

Bemerkungen

Der Experte misst der Löschung des Domainnamens durch die Gesuchstellerin und der spĂ€ter Erstreitung im WIPO-Verfahren „keine entscheidende Bedeutung“ zu. Dem kann nur zum Teil zugestimmt werden. Das Verhalten der Gesuchsgegnerin stellt eine Zuwiderhandlung gegen den vorherigen klaren Verzicht auf den Domainnamen dar (Grundsatz „venire contra factum proprium“) und kann als nicht schĂŒtzenswerter Rechtsmissbrauch angesehen werden. Es ist weder Sinn noch Zweck einer Marke, die Bezahlung der JahresgebĂŒhr fĂŒr einen Domainnamen zu ersetzen.

Weiter bezweifelt der Experte die Entgegnung des Gesuchsgegners, er habe nie bei der Gesuchstellerin gearbeitet, weil er darauf hinweist, dass die Brevo GmbH nach seinem Wissen seit 2006 nicht mehr bestanden habe. „Damit gibt er implizit zu, die RechtsvorgĂ€ngerin der Gesuchstellerin (und damit auch die Marke BREVO) zu kennen.“ Hier muss klar widersprochen werden. Die Brevo GmbH hatte dies vor der Löschung des Domainnamens auf ihrer Webseite fast wörtlich so kommuniziert. Alle möglichen Gesuchsgegner – ob sie die Gesuchstellerin nun kennen oder nicht – hĂ€tten fĂŒr das Verfassen ihrer Gesuchserwiderung solche Informationen recherchiert und leicht aufgefunden. Da die Gesuchstellerin zu dieser Behauptung offensichtlich keine Beweismittel eingereicht hatte, hĂ€tte sie nicht beachtet werden dĂŒrfen.

Interessanterweise scheint der Gesuchsgegner Vorbereitungen getroffen zu haben, die Warengleichartigkeit zu verschleiern bzw. eine anderweitige Verwendung vorzutĂ€uschen, indem er unter der Internetadresse www.brevo.ch eine In-Arbeit-Seite mit dem Vermerk „Breitensport Vorschriften“ aufgeschaltet hatte (siehe Bild). Dabei hatte er jedoch vergessen, den in der Browser-Kopfzeile angezeigten Seitentitel („Title“) abzuĂ€ndern. Dieser lautet: „Brevo Brandschutz und Sicherheit“. Scheinbar hat er im WIPO-Verfahren dann aber nicht versucht, dieses Argument geltend zu machen.

Im Endeffekt ist dem Entscheid jedoch zuzustimmen. Auch im Rahmen eines sachlichen Mitgebrauchs beim Verkauf von Brevo-Feuerlöschern muss der Anspruch des Gesuchgegners auf den Domainnamen gegenĂŒber dem Anspruch der Gesuchstellerin als Inhaberin der identischen Wortmarke zurĂŒckstehen.

WIPO-Verfahren Nr. DCH2013-0014, Entscheid vom 4. November 2013.

Kurzlink hierher: www.domainnamenblog.ch/wipo/brevo.ch

SWITCH senkt .ch-Domainnamenpreise auf 15.50 Franken

SWITCH senkt per 1. Februar 2014 die JahresgebĂŒhr fĂŒr .ch-Domainnamen von derzeit 17 Franken auf 15.50 Franken. Der neue Preis gilt bei der Neuregistrierung oder Erneuerung eines Domainnamen ab dem 1. Januar 2014. Auch die Wholesale-Preise, welche SWITCH ihren anerkannten Partnern gewĂ€hrt, sinken.

Am 22. Oktober 1987 wurde „SWITCH – Teleinformatikdienste fĂŒr Lehre und Forschung“ als Stiftung durch die Schweizerische Eidgenossenschaft und acht Hochschulkantone (Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Neuenburg, St. Gallen, Waadt und ZĂŒrich) gegrĂŒndet. Sie setzt sich zum Ziel, „die nötigen Grundlagen fĂŒr den wirksamen Gebrauch moderner Methoden der Teleinformatik im Dienste der Lehre und Forschung in der Schweiz zu schaffen, zu fördern, anzubieten, sich an solchen zu beteiligen, und sie zu erhalten“.

Als Stiftung verfolgt SWITCH weder kommerzielle Zwecke, noch ist sie auf die Realisierung eines Gewinns ausgerichtet. Daher und dank der stetig wachsenden Anzahl registrierter Domainnamen (zurzeit ĂŒber 1.8 Millionen .ch-Domainnamen) und damit auch steigenden Einnahmen ist es jeweils möglich, Preissenkung zu realisieren. PreisĂ€nderungen fĂŒr Schweizer Domainnamen werden durch SWITCH vorgeschlagen und mĂŒssen durch das Bundesamt fĂŒr Kommunikation (BAKOM) genehmigt werden.

Seit der letzten Preissenkung auf 17 Franken am 1. Februar 2008 sind genau sechs Jahre vergangen. Damit hat es bis zur kommenden Senkung nicht nur am lĂ€ngsten gedauert, sondern es ist auch die bisher tiefste Preisreduktion der Schweizer Domainnamen-Geschichte – und das erste Mal, dass Domainnamenpreise nicht auf einen ganzen Frankenbetrag lauten.

Die bisher erfolgten Preissenkungen umfassten eine Senkung auf 17 Franken (1. Februar 2008), 22 Franken (1. September 2007), 27 Franken (1. November 2006) und auf 35 Franken (1. Juli 2001). Zuvor kostete ein Schweizer Domainname 48 Franken. Die ursprĂŒnglich zusĂ€tzlich erhobene RegistrierungsgebĂŒhr in der Höhe von 80 Franken wurde per 1. Juli 2001 auf 40 Franken gesenkt und fiel bei der Preissenkung auf 27 Franken (1. November 2006) ganz weg. Eine weitere Preissenkung ist vorerst nicht absehbar.